Ideen und Formate zur Demokratiebildung und lokalen Gedenkarbeit für die Opfergruppen der NS-Diktatur
© Landtag RLP / S. Jasmin
Ausschnitt aus der Veranstaltung des Vorjahres.
Einen Tag lang setzten wir uns mit aktuellen Konzepten und Formaten zur Gedenkarbeit und Demokratiebildung auseinander. Der Fokus lag auf den von der NS-Diktatur verfolgten Opfergruppen und die Auswirkungen, die bis in unsere Gegenwart reichen. Wie können wir die Erinnerung an die vielen Opfer wachhalten, an Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Diktatur gelitten haben und ermordet wurden? Und was haben diese Ereignisse von damals mit der Gegenwart und unserer Demokratie zu tun?
Die Veranstaltung #weitergedenken will einerseits Bestandsaufnahme sein, andererseits aktuelle Tendenzen weiterdenken und so Zukunftsperspektiven eröffnen, wie aktuelle Impulse in konkrete Bildungsarbeit und Unterrichtskonzepte umgesetzt werden können.
Neben einer Lehrerfortbildung am Vormittag richtete sich die Veranstaltung ab 13.00 Uhr an die interessierte Öffentlichkeit. Beim Markt der Möglichkeiten präsentierten sich Opferverbände und Gedenkinitiativen, um über ihre Arbeit zu informieren. Bei der Abschlussrunde im Plenarsaal gab es neben einem Zeitzeugengespräch eine Talkrunde mit Angehörigen von verschiedenen Opfergruppen, die darüber berichteten, welche Auswirkungen bis in die Gegenwart zu spüren sind.
Ines Eichmüller, vevon e.V.“Die für alle sichtbaren Spuren von Folter, Schlägen und Ausbeutung wurden mit der Zeit weniger. Aber die seelischen Spuren nicht.
”
Programmablauf
10.00 bis 12.30 Uhr im Plenarsaal
Inoffizieller Veranstaltungsteil - nur für angemeldete Lehrkräfte
13.30 bis 15.30 Uhr, Sitzungssäle im Deutschhaus
Nichtöffentlicher Veranstaltungsteil - nur für angemeldete Lehrkräfte und mitwirkende Schülerinnen und Schüler
Workshop 1:
Wie plane ich eine Gedenkstättenreise oder ein Zeitzeugengespräch für die Schule?
Der Workshop soll interessierten Lehrkräften aufzeigen, wie sie eine Gedenkstättenfahrt und/oder ein Zeitzeugengespräch konzipieren, planen und durchführen. Bei Bedarf kann auch thematisiert werden, welche Fördermittel es gibt.
Referent:in: Laura Grabarek, Koordinierungsstelle schulische Gedenkarbeit und Zeitzeugenbegegnungen
Workshop 2:
„Ich bin Jude. Euer Antisemitismus ist mein Alltag“ von Reiner Engelmann – Wie begegne ich Rassismus und Antisemitismus im schulischen Alltag?
Der Roman „Ich bin Jude.“ von Reiner Engelmann eignet sich als Klassenlektüre und bietet Anknüpfungspunkte, sich differenziert und breitgefächert nicht nur mit der Geschichte des Antisemitismus, sondern auch mit dem Antisemitismus und Rassismus in der heutigen Gesellschaft auseinanderzusetzen. Das Glossar am Ende des Romans bietet hierzu sehr viel und sehr gut verständliches Material.
Referent: Reiner Engelmann
Workshop 3:
Der Gestapo-Keller in Neustadt an der Weinstraße und seine Bedeutung als neue Gedenkstätte in Rheinland-Pfalz
Die Geheime Staatspolizei, auch kurz Gestapo genannt, war ein kriminalpolizeilicher Behördenapparat und die politische Polizei in der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945). Ab 1937 richtete die Gestapo in Neustadt an der Weinstraße ihre Pfalz-Zentrale ein. Politische Gefangene aus der ganzen Pfalz wurden zu Verhören dorthin gebracht. Bis Ende des Jahres soll der ehemaliger Gestapo-Keller nun zu einem neuen Lernort werden und Interessierten eine weitere Möglichkeit eröffnen, sich mit dem wichtigen Thema der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft auseinanderzusetzen. Bei dem Workshop werden sich die Teilnehmenden mit ausgewählten Akten der Gestapo Neustadt, welche im Landesarchiv in Speyer lagern, anhand einer konkreten Aufgabenstellung beschäftigen. Die überlieferten Akten, bieten einzigartige und ergreifende Einblicke in Opferschicksale: Menschenleben gerieten durch kleinste "Vergehen" in das Visier der Gestapo. Eine solche Verfolgung konnte Leben und Familien zerstören. Diesen Opfern soll hier Rechnung getragen werden und über das Verfolgungssystem der Gestapo informiert werden.
Referentin: Annika Heinze, Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz
Workshop 4:
Zeitzeugenbiografien in Stop Motion – Videoworkshop
Basierend auf einer Verfolgungsgeschichte werden die Grundlagen der Animation vermittelt und Leben eingehaucht. Die Teilnehmenden laden sich für diesen Workshop die kostenfreie Stop-Motion-App auf ihr Handy oder Tablet herunter. Mit dieser App wird gezeigt, wie man Objekte oder Figuren bewegt und sie Bild für Bild aufnimmt, um eine fließende Animation zu erstellen. Dabei werden grundlegende Konzepte wie Timing, Bewegung und Bildkomposition geübt.
Maximale Teilnehmeranzahl: 10 Personen
Referentin: Yana Ugrekhelidze, Animatorin BUNDESVERBAND INFORMATION & BERATUNG FÜR NS-VERFOLGTE e. V.
Workshop 5 - nur für Schülerinnen und Schüler der Best-Practice-Schulen:
Wie und welche (Familien-) Erfahrungen prägen das geschichtliche Erinnern und Verhalten in den heutigen Familien? Workshop zur Studie „weitegedenken“ der Uni Koblenz.
Im Workshop wird näher auf Fragen zu dem Forschungsprojekt über Erinnerungskulturen eingegangen: Was sind überhaupt Familiennarrative? Was sind prägende Erlebnisse und Erinnerungen, die innerhalb der Familien weitergegeben werden? An einigen Beispielen soll aufgezeigt werden, welchen Einfluss geschichtliche Ereignisse, die eine Gesellschaft, politische Haltungen oder ethische Einstellungen prägen, bis in die Familiennarrative und individuellen Verhaltensweisen hineinwirken. Mit ihren Wert- und Normvorstellungen, Vorurteilen, Sympathien und Antipathien begegnen sich junge Menschen nicht nur im schulischen Alltag, sondern auch in ihrer Freizeit. Je hartnäckiger sich Narrative in Familien erhalten und z.B. Werte festschreiben, desto weniger flexibel ist die Zugehörigkeit hinsichtlich eigener Milieus und die Toleranz gegenüber anderen Gruppen oft gering. Im Dialog, an Textbeispielen und einigen Übungen möchten wir gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern herausfinden, was diese Haltungen strukturiert und wie sie möglicherweise zu beeinflussen sind.
Referenten: Henrik Lenzgen und Peter-Erwin Jansen, Universität Koblenz
13.00 bis 15.45 Uhr, Saal 7
Öffentlicher Veranstaltungsteil
- Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e. V. | Sarah Frecker | https://www.nsberatung.de/home
- Kultur und Integration Rheinland-Pfalz e. V. | Christine Zintz | https://www.kulturundintegration-rlp.de/
- Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz | Martina Kracht | https://www.lpb.rlp.de/
- Ehemalige Synagoge Niederzissen, Projekt „Schulkoffer zum Judentum“, Kultur- und Heimatverein Niederzisssen e. V. | Richard Keuler | https://ehem-synagoge-niederzissen.de/
- QueerNet Rheinland-Pfalz e. V. | Frank Grandpierre | https://queernet-rlp.de/
- Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz e.V. | Aaron Weiss | https://www.vdsr-rlp.de/
- Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus e. V. | Alfons Ims | https://www.dieverleugneten-vevon.de
- Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer Deutschlands e. V., Landesverband Rheinland-Pfalz | Björn Kilian & Markus Poggel-Weinbrenner | https://vgd-rlp.de/
- Projekt Erinnere dich: Er-lebe Demokratie!; Dominica Oswald, Lehrerin a.D., Rundgänge in Mainz zur Stärkung der Demokratie
- Arbeitsgruppe NS-Euthanasie und Zwangssterilisation in Rheinhessen/Rheinland-Pfalz | Renate Rosenau | https://www.ak-ns-euthanasie.de/links/regionale-arbeitsgruppen/
- Stiftung Haus des Erinnerns, für Demokratie und Akzeptanz e. V. | Dr. Cornelia Dold | https://www.haus-des-erinnerns-mainz.de/
- Bistum Mainz, Dr. Christoph Krauß, https://bistummainz.de/gesellschaft/frieden/zeitzeugenbesuche/
16.00 bis 17.00 Uhr im Plenarsaal
- Begrüßung durch Landtagspräsident Hendrik Hering
- Eröffnungstalk: Landtagspräsident Hendrik Hering, Moderation: Shahrzad Eden Osterer
- Eindrücke der Tagesveranstaltung
- Zeitzeugenbericht: Der Zeitzeuge Christian Pfeil im Gespräch mit der Moderatorin
- Talkrunde mit Gästen zum Thema: Verfolgte Opfergruppen in der NS-Zeit und die Auswirkungen in die Gegenwart
Avadislav Avadiev, Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz
Jacques Delfeld Jr.,Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz
Ines Eichmüller, Verband für das Erinnern an die verleugneten Opfer des Nationalsozialismus e. V.
Joachim Schulte, QueerNet Rheinland-Pfalz e. V.
Emilia Taran, Hinenu Jüdischer Studierendenverband Rheinland-Pfalz/Saarland
Christian Pfeil, Zeitzeuge - Abschluss und Ausblick
- Im Anschluss: Empfang und Gelegenheit zum Gespräch
Der Landtag Rheinland-Pfalz, das ILF und der VGD laden gemeinsam ein zur Fortbildung für Lehrkräfte #weitergedenken. Ideen und Formate zur Demokratiebildung und lokalen Gedenkarbeit für die Opfergruppen der NS-Diktatur.
Diese Veranstaltung ist offiziell als Lehrerfortbildung anerkannt, eine Befreiung vom Unterricht ist möglich. Nähere Informationen sowie das genaue Programm finden Sie auf der Homepage des ILF (www.ilf-mainz.de) und des Landtags (www.landtag.rlp.de) sowie auf Fortbildung-Online (evewa.bildung-rp.de). Die Anmeldung erfolgt unter Angabe des Namens und der Dienststelle bis zum 10. Juni 2024 durch eine Mail direkt an den Landtag unter lehrerfortbildung@landtag.rlp.de Bitte geben Sie in dieser Mail auch an, ob Sie am kostenlosen Mittagessen im Landtag teilnehmen wollen.
Kontakt
Christine Jost
Telefon 06131 208-2264
E-Mail Christine Jost
Elke Steinwand
Telefon 06131 208-2322
E-Mail Elke Steinwand
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